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Reisetagebuch

Steffis Reisetagebuch

Während meiner Reise nach Island ist mir mehrfach durch den Kopf geschossen, dass ein einfacher Reisebericht viele Leser sogar langweilen könnte, da ich dort versuche, persönliche Erlebnisse und Betrachtungen heraus zu halten. Daher wird es hier separat ein Reisetagebuch geben, in welchem ich auch persönliche Erlebnisse berichte, die nicht unbedingt in einen Reisebericht gehören.

Ich hoffe es langweilt niemanden und wünsche viel Spaß beim lesen.

 

Samstag 31.05.2008

Der Tag heute begann mit Regen- und Hagelschauern und beinahe wäre ich nicht trocken zum Flughafen gekommen. Doch wie durch ein Wunder hörte dass Unwetter 10 Minuten vor unserem Aufbruch auf, so dass ich trockenen Fußes zur S-Bahn gelangt bin.

Vom Frankfurter Flughafen war ich zunächst ein wenig enttäuscht. Der Aufgang von der S-Bahnstation wirkte sehr gestaucht und eher provisorisch und auch das Terminal A an dem ich mich mit den anderen beiden treffen wollte, wirkte nicht wirklich riesig. Als wir dann aber unsere Wanderung durch den Flughafen begannen um einzuchecken, das Gepäck abzugeben und dann schließlich zur Sicherheitskontrolle liefen, begann ich nicht schlecht zu staunen. Der Flughafen entpuppte sich als weitläufiger als ich dachte, so dass wir eine Strecke sogar mit einem Shuttle zurück legen mussten. Jetzt weiß ich, warum man immer 2 Stunden früher dort sein soll, denn allein bis man das alles erledigt hat, vergeht schon mindestens eine halbe Stunde (wenn man nicht noch zusätzlich anstehen muss). Der Security-Check entpuppte sich als erste große Stresssituation für mich. Schließlich hatte ich das noch nie gemacht und der Anblick der vielen grimmig kuckenden Angestellten hätte mir das Herz fast in die Hose rutschen lassen. Doch ich legte brav alle meine Metallgegenstände ab (Uhr, Brille, Gürtel und sogar die Schuhe) und stapfte dann in meinen Ringelsocken durch den Metalldetektor. Als es nicht piepste konnte ich nicht anders, als der Dame mit den Hand-Metalldetektor ein freudiges Lächeln zu zu werfen. Schließlich bin ich um die genauere Kontrolle durch diese Dame herum gekommen. Nachdem wir dann endlich am richtigen Terminal angekommen waren hieß es warten. Durch das Unwetter durfte unser Flugzeug nicht landen und so startete es mit einer Stunde Verspätung. Als es dann endlich angekommen war und für uns fertig gemacht wurde, kam für mich die nächste Überraschung. Es ist nicht so wie in den Filmen, dass man auf seinem Leiterchen in das Flugzeug klettert. Stattdessen gibt es lange, viereckige Metallröhren, welche mit Saugnäpfen am Flugzeugbauch festgemacht werden. So kann man direkt von Terminal durch den Gang ins Flugzeug laufen und sieht den Flughafen gar nicht von außen, faszinierend.

Doch auch als wir im Flugzeug saßen, wollte es nicht sofort los gehen. In meinen Augen dauerte es ewig, bis alle sich hingesetzt hatten und noch länger, bis unser kleines Flugzeug von seinem Parkplatz zur Startbahn gerollt war. Immer wieder sind wir zwischendurch stehen geblieben und haben gewartet. Das hat mich wegen des Starts noch viel nervöser gemacht. Dann ging aber plötzlich alles sehr schnell. Die Turbinen rauschten laut und dann rollten wir auch schon. Und wir rollten verdammt schnell, viel zu schnell für meinen Geschmack. Ich sah mich schon am Ende der Startbahn angekommen und noch nicht abgehoben, sah das Flugzueg durch Zäume fahren... doch kaum hatte ich den Gedanken zu Ende gebracht, waren wir auch schon in der Luft. Ich atmete erleichtert auf. Neugierig lugte ich aus dem kleinen Fensterchen und musste frustriert feststellen, dass ich die Landschaft unter mir nicht kannte. Ich wusste nicht mal, ob wir noch über Frankfurt waren. Die Höhe machte mir seltsamer Weise auch nichts aus, da durch das kleine Guckloch eh alles so unwirklich wirkte. Und es dauerte auch nicht lange und wir waren über den Wolken. 

Vor mir taten sich riesige weiße Haufen und Türme auf und als wir noch höher kamen konnte ich nur staunen über diese weiße Unendlichkeit. So weit ich auch blickte, die Wolken schienen ewig weit zu reichen. Und als wir noch höher kamen hatte das ganze sogar etwas von einem riesigen Meer. Jetzt weiß ich endlich, woher der Begriff Wolkenmeer kommt. Irgendwie war es, als wurde man hoch in den Himmel schauen, nur dass der Himmel eben unter mir war. Als wir jedoch weit über den Wolken waren, wurde der Anblick eher langweilig. Einzelne Wolken konnte man nicht mehr unterscheiden, so dass nur noch eine weiße geschlossene Decke unter mir war. So habe ich meine Aufmerksamkeit lieber dem Film zugewandt, der gespielt wurde.

Am Flughafen in Keflavik angekommen erwartete mich die nächste Überraschung. Der Flughafen wirkte im Vergleich zu dem in Frankfurt winzig und es dauerte keine 10 Minuten, bis wir unser Gepäck hatten und in der Eingangshalle standen. Frank besorgte schnell das Mietauto und ich wechselte ein wenig Geld für die Postkarten. Vom Rest wusste ich, dass ich ihn bequem mit VISA-Karte zahlen konnte. Als wir dann endlich die Straße in Richtung Reykjavik entlang rollten, war ich zugegeben schon etwas enttäuscht. Vor mir erstreckte sich endlose Weite, doch bestand die nicht aus grünem saftigen Gras, sondern aus Geröllbergen aus Vulkangestein. Ich hätte genau so gut auf dem Mond gelandet sein können, doch bekannter Maßen gibt es dort keine asphaltierten Straßen. ;-)

Meine nächste Erfahrung mit Island war eine Kaufhalle, denn schließlich mussten eilig Vorräte für die kommende Woche gekauft werden, bevor um 18 Uhr die Ladentore schließen. Also kehrten wir in einem größeren Billigmarkt ein. Die Preise waren natürlich dennoch gesalzen, etwa 2-3 Mal so teuer wie hier in Deutschland. Doch darauf hatte ich mich zuvor bereits moralisch vorbereitet. Die Überraschung bestand als vielmehr darin, dass sämtliche kühlungsbedürftigen Waren in einem gesonderten Raum gelagert wurden, der selbst als Ganzes auf eine Temperatur von etwa 0 Grad gekühlt würde. Butter, Käse etc. standen dann in ganz normalen Wandregalen.

Reykjavik erinnerte mich auf den ersten Blick an eine Kleinstadt, wenn nicht sogar nur an ein größeres Dorf. Alles war schrecklich weitläufig und die Häuser waren meist einstöckig und zu kleineren Siedlungen zusammen gefasst. Dabei wirkte alles schrecklich modern, was kein Wunder ist, da die Stadt in den letzten Jahren rapide an Größe und Einwohnern gewonnen hat. Das merkt man ihr auch an, denn auch jetzt wird an vielen Ecken gebaut. Die nächste Überraschung kam bei einem Halt an der Tankstelle (Wir mussten nach dem Weg fragen, da wir vergessen hatten die Wegbeschreibung zu unserem Hotel auszudrucken.) Es gibt tatsächlich nur 2 Sorten Benzin auf Island, Diesel und ganz normalen Benzin. Wenn man die riesige Auswahl in Deutschland gewohnt ist, da ist das ein ziemlich ungewohnter Anblick. Vom Auto aus konnte ich zudem eine Gruppe von Vögeln beobachten, die sich um ein Stück auf der Straße liegendes Brot stritten. Die Autos haben sogar hin und wieder angehalten, um keinen der Drollepupse zu überfahren. Doch diese schienen auch so in keiner Form schüchtern zu sein.

Trotz aller Wegbeschreibung hätten wir unser Hotel beinahe nicht gefunden, denn auch dieses glich der reinsten Baustelle. Überall lagen grobe Steine herum und auch so bestand der Boden aus grobem Schotter. Bereits hier war ich zum ersten Mal dankbar über meine Wanderschuhe. Wer hätte gedacht, dass ich sie das erste Mal auf einem Parkplatz brauchen würde... Die Dame an der Rezeption erklärte uns dann aber, dass auf dem Vorplatz gerade ein Kino errichtet werden würde. Aber wie ich schon sagte, diese Baustellen sind typisch. Auf dem Weg in unsere Zimmer konnten wir schließlich durch mehrere große Fenster von innen einen Blick auf eine nebenan gelegene Sporthalle erhaschen. Sicher hätte uns eine der Türen auf dem Gang in ihr Inneres geführt. Der Blick in mein Zimmer erhärtete meinen Verdacht. Dieses Haus war in keinem Fall ein Hotel, sondern vielmehr eine Schule für Sportler, welche in der Zeit der Sommerferien ihre Betten zu akzeptablen Preisen an Touristen vermietete. Das erklärte auch das Doppelstockbett und die sonst so karge Zimmereinrichtung. Doch mich störte das alles nicht. Ich breitete meinen Schlafsack auf dem bezogenen Laken aus und fühlte mich dann schon fast wie zu Hause. Immerhin warteten mehrere Tage auf dem Zeltplatz auf mich. Und da war die Aussicht auf ein Bett wahrhaft königlich.

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Sonntag 01.06.2008

In der letzten Nacht habe ich furchtbar schlecht geschlafen. Wann immer ich aufgewacht bin, war es hell und das hat mich trotz der Schlafmaske, die ich zuvor gekauft hatte, irritiert. Und so war ich nach kaum 6 Stunden Schlaf wieder putzmunter. Da mir noch ein wenig Zeit blieb bis zum Frühstück beschloss ich zuerst einmal Haare zu waschen und stellte bei dieser Gelegenheit fest, dass das Wasser hier erbämlich nach Schwefel stank. Ich hatte zwar schon von dem schwefelhaltigen Wasser auf Island gelesen, doch so lebhaft hatte ich es mir nun doch nicht vorstellen können.

Nach dem Frühstück sind wir von Reykjavik schließlich in Richtung Norden aufgebrochen, wo wir zunächst an einer Meeresbucht Halt machten. Diese war voller vom meer rundgeschliffener Steine und Felsen, welche schon allein einen beeindruckenden Anblick boten.

Je weiter man jedoch zum Meer kam, desto dichter waren diese Steine zusätzlich mit Seetang (überwiegend Blasentang) bewachsen, was zum einen das Laufen sehr erschwerte zum anderen für mich aber ein ganz besonderes Erlebnis war. Auf der einen Seite fand ich es ziemlich eklig, über die glitschigen, schmatzenden Felsen zu laufen. Auf der anderen Seite hatte für mich der viele Tang auch etwas Absonderliches, das mich staunen ließ. Immerhin hatte ich noch nie Seetang aus der Nähe gesehen.

 Das andere wunderbare war jedoch, dass ich zwischen diesen Steinen und dem Tang ganz viele Tiere beobachten konnte, da gab es Schnecken, Muscheln aber auch Seestarne und Einsiedlerkrebs. Und letztere beide hatte ich noch nie in freier Windbahn gesehen. Daher war auch das ein ganz besonderes Erlebnis für mich.

Danach gibg es zunächst weiter in Richtung Norden, wobei wir durch weite Bergtäler fuhren und aber teilweise auch über holprige Schotterstraßen kämpfen mussten. Das war für mich zunächst mehr als abenteuerlich, da die Steine in kürzesten Abständen von außen gegen unser Auto prasselten. Das hörte sich beinahe so an, als hätte es zu hageln begonnen. Jetzt wusste ich endlich, wie die ganzen Kratzer auf das Auto gekommen waren. Alsob das jedoch noch nicht genug des Abenteuers gewesen wäre, so kreuzte plötzlich ein kleines Flüsschen die Straße. Es war nicht wirklich tief und zweifelsohne dafür gedacht es zu durchqueren. Das taten wir dann auch, selbst wenn mein Herz dabei fast in die Hose gerutscht wäre. Schließlich war unser Mietwagen sicher nicht dafür gedacht einen Fluss zu durchqueren. Aber so ist das in Island. Asphaltstraßen gibt es hier nur äußerst selten und wenn man etwas sehen möchte, muss man auf die unbequemeren Wege zurück greifen. 

Wieder rollten wir durch Gebiete, in denen links und rechts vom We riesige Berge mit Vulkangestein waren. Dieses war jedoch teilweise mit Flechten und Moos bewachsen, so dass es seinen ganz anderen Charakter hatte. Da bin ich auch nicht umhin gekommen, ein Foto von mir und der Landschaft machen zu lassen.

 Was jedoch viel wichtiger für uns war: hier konnten wir endlich ein paar Flechten sammeln. Denn dafür waren wir schließlich nach Island gekommen. Hier mussten wir aber nicht lange suchen, denn die Dinger wuchsen hier an jeder Ecke.

 

Und so konnten wir unsere Taschen mit dem kostbaren Zeug füllen, doch wir fanden auch noch andere Dinge. Am Wegrand fanden wir nämlich massenweise Vulkangestein, das ebenso die tollsten Farben und Formen annehmen kann: von schwarz, über blau. lila, rot, braun bishin zu orange ist alles möglich. Und so sammelte ich gleich ein paar nette Souviniers mit ein, bevor wir unsere Reise über die holprige Straße fortsetzten.

Am Abend kehrten wir auf einem Zeltplatz in Rejkir ein. Reykir bedeutet soviel wie heißer Ort was darauf hindeutet, dass es hier eine heiße Quelle gibt. Praktisch, wenn man das schon am Namen erkennt. Leider hat das auch zur Folge, dass einige Orte denselben Namen haben. Den Ort Reykir gibt es auf Island zum Beispiel mehrmals. Der Zeltplatz scheint einer Islandischen Familie zu gehören, welche nebenbei auch viele Schafe besitzt. Wir übernachteten fast genau auf dem Hof dieser Familie, oder besser auf einer Wiese nebenan. Diese war zum Glück wunderbar eben und nicht von Vulkangesteinen gespickt, wie das sonst häufig hier der Fall ist. Die Schafe scheint das nicht zu stören, aber ich hätte das doch ein wenig unbequem gefunden. Für mich war dieser Zeltplatz der pure Luxus. Es gab sogar so etwas wie einen Speisesaal, mit Bierbänken und -tischen, einer Spüle und sogar einer Herdplatte. So konnten wir, indem wir unseren Campingkocher hinzu genommen haben, sogar mit 2 Töpfen kochen. Es gab Nudeln, mit passierten Tomaten und darin gekochtem Brokkoli. Das war sehr improvisiert aber durchaus essbar. Ich behaupte sogar, dass es gesünder war, als manches, was ich so hier in Frankfurt esse.

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Montag 02.06.2008

Auch wenn ich diese Nacht ein wenig besser geschlafen habe, so war die Nacht dennoch nach 6 Stunden für mich zu Ende. Diese Helligkeit hat es mir einfach unmöglich gemacht länger zu schlafen. In meinem Zelt war es inzwischen mollig warm und ich schälte mcih eilig aus meinem Schlafsack. Das Zelt hatte eine dunkel Außenplane, so dass es sich doch gut aufgeheizt hatte.

Da ich wusste, dass die anderen Beiden noch schlafen, beschloss ich ein wenig hinunter zum Steinstrand zu gehen. Am letzten Abend hatt eich dazu keine Energie mehr, da war ich einfach zu müde. Und so nutzte ich die ungestörte Morgenstunde. Draußen am Zeltplatz war alles herrlich ruhig, nur die Schlafe glotzten mich an und flüchteten vor mir, als ich mich an ihrer Koppel vorbei schlägelte.

Unten am Strand saß ich eine Weile lang einfach nur auf einem großen Stein und genoss den Anblick des Meeres. Zum ersten Mal fühlte ich mich in Island richtig wohl. Nach einer Weile hielt ich Ausschau nach kleinen Schätzen und tatsächlich fand ich getrocknete Schwämme, Kaltwasserkorallen und kleine, feingliedrige, weiße Pflanzenskelette, welche wohl Bryozoen sind. Dann ganz plötzlich platschte es laut im Wasser neben mir, und als ich mich umschaute, sah ich, wie eine Robbe ihr Köpfchen aus dem Wasser steckte und mich beobachtete. Ich wra ganz verdutzt, doch dann genoss ich den Augenblick und die Gelegenheit, dass sich so ein Tier mal freiwillig in freier Wildbahn begutachten ließ. Doch es dauerte nicht lange und die Robbe tauchte wieder unter, so dass ich mich im Nachhinein frage, ob nicht vielleicht alles nur ein Traum war.

Als ich wieder zum Zelt kam, waren die anderen inzwischen wach und man fragte mich, ob ich nicht ein Bad im hauseigenen Pool nehmen wöllte. Das war zwar nur ein sehr kleines Becken (vielleicht 2 mal 2 Meter), doch er war durch das Wasser der heißen Quellen beheizt. Und da konnte ich einfach nicht nein sagen. Also habe ich flott meine Badesachen angezogen, die ich in weiser Voraussicht eingepackt hatte, und hab mich in die Fluten gestürzt. Das Wasser war einfach traumhaft warm und die Aussicht dazu war einmalig. Daran hätte ich mich beinahe gewöhnen können, aber eben nur beinahe.

Den Tag über habe ich die meiste Zeit im Auto verbracht, da wir fast die ganze Strecke bin hoch in den Norden gefahren sind. Unterwegs haben wir an einem Aussichtspunkt am Vatnsskartopass Halt gemacht, wo man kleine Schmelzwasserfälle sehen könnte, die die Berge herab fließen und einen Fluss, der sich durch das Tal von Bergen schlängelte. Außerdem waren wir am Godafoss Wasserfall, einem breiten, geteilten Wasserfall, an dessen Rand man sogar oben auf dem Felsen stehen konnte. Ich gebe zu, dass bei mir in diesem Moment schon das Kind durchgebrochen ist, als ich über die Felsen turnen konnte, den Wasserfall neben mir. Zumal es wirklich interessant war, den Wasserfall von der Seite zu beobachten. Es gab sogar kleine Treppchen, welche an seiner Seite angebracht waren. Wozu die wohl gut sein sollten?

Die meiste Zeit am Wasserfall verbrachte ich aber mit dem sammeln von Wasserflöhen, denn schließlich war dies ja hier keine Urlaubsreise und ich hatte versprochen mit ein paar hübschen Exemplaren zurück zu kommen. Bisher war ich mit der Daphniensuche leider sehr erfolglich, doch hier gab es zwischen den Steinen einen ganz kleinen Tümpel auf den Steinen und dort wurde ich endlich fündig. So hatte ich mein schlechtes Gewissen dann auch beruhigt. 

Außerdem war noch ein Stopp im Baumarkt fällig. Das Institutszelt in dem ich geschlafen habe, hatte seltsamer Weise nur einen Stoffboden, so dass es am Morgen leicht feucht war, als ich aufgewacht bin. Da fragte ich mich doch, wer denn bitte Zelte mit Stoffboden baut. Aber das Problem ließ sich zum Glück beheben indem wir einfach eine entsprechende Plane besorgt haben. So konnte ich an dem Abend dann wenigstens schlafen, ohne Angst haben zu müssen, dass ich am nächsten Morgen in klamme Sachen steigen muss und vielleicht noch krank werde. 

Danach ging es dann fast geradewegs zum Zeltplatz in Husavik, das ist ganz im Norden in der Nähe von Akureyri. Die anderen beiden sind noch zum Whale-Watching gegangen, ich hingegen freue mich meine Ruhe zu haben und schriebe die Ansichtskarten, die ich heute erbeutet habe. Es ist nämlich gar nciht so einfach hier welche zu finden. An den Stellen wo wir bisher waren gab es nämlich keine Souviniershops. Es ist halt nicht alles so überlaufen hier. Aber das ist ja auch nicht das schlechteste.

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Dienstag 03.06.2008

In dieser Nacht habe ich zum ersten Mal gut geschlafen und bin tatsächlich erst nach 8 Stunden aufgewacht. Natürlich war es dennoch noch zu früh, da die anderen beiden ja am Vortag lange wach waren und so habe ich mir die Zeit bis zum Frühstück wieder mit lesen vertrieben. Es dauerte auch eine ganze Weile bis es so weit war, denn wie es sich heraus stellte, war einer von beiden krank geworden. Wer hätte gedacht, dass ich nicht die erste bin, die hier auf Island schlapp macht. Und auch wenn es gemein ist, irgendwie freue ich mich über diese Tatsache. :-)

Die erste gute Nachricht des Tages war, dass wir ein Internetcafé gefunden haben, in dem ich endlich ein Lebenszeichen an Christoph schicken konnte. Die letzten Tage habe ich deswegen ja wie auf Kohlen gesessen, doch egal wie sehr ich mich umgeschaut habe, ich konnte keins entdecken. Auch jetzt saß ich nur an dem PC in der Touristeninformation mit einem sehr ungenauen Tarif. 300 Kronen (umgerechnet etwa 3 Euro) und ich kann so lange kommen, bis der nächste kommt und an den PC will und ich "rausgeschmissen" werde. Doch da wir es ohnehin eilig hatten, hab ich nur eilig ein paar Zeilen getippt und bin dann wieder ins Auto gehastet. 

Unsere Fahrt ging an diesem Tag in Richtung Osten wo wir unseren ersten Halt an einer Steilklippe am Öxarfjördur gemacht haben. Dort haben an den Felsen Eissturmvögel und Papgaientaucher bebrütet, so dass man die toll beobachten konnte. Für ein gutes Foto war meine Kamera leider nicht geeignet, und so sind mir daran nur meine Erinnerungen geblieben. Gegen Nachmittag setzte schließlich der Regen ein und dichter Nebel überzog in der Ferne die Bergkuppen. Auch jetzt hatte Islands Landschaft etwas besonderes, oder vielleicht gerade jetzt.

                  

Vielleicht liegt es daran, dass dieses Wetter für Island sehr typisch ist? 

Am Nachmittag erreichten wir den Hafragilsfoss, einen recht großen Wasserfall. Natürlich war dieser nur über eine Schotterstraße zu erreichen, aber inzwischen hatte ich mich sogar etwas an dieser Geholper gewöhnt. Und der Ausblick war diese Fahrt auch auf jeden Fall wert. Direkt an den Wasserfall heran konnte man nicht, sondern man konnte den Fluss vielmehr von einem hohen Felsen aus überblicken. Es ist Geschmackssache, ob man das mag oder nicht.

Ein paar Autominuten war jedoch schon der nächste Wasserfall, das Dettifoss. Dieser ist zwar "nur" 45 Meter tief, dafür aber 100 Meter breit und somit der großte Wasserfall Europas. Das beeindruckende was, dass man die Nebelwolke, die das herabstürzende Wasser verursacht hat, schon von weitem sehen konnte, und auch das rauschen hörte man schon vom Parkplatz aus. So stieg auch in mir die Spannung immer mehr, als ich über die Felsen in Richtung des Wasserfallen stapfte. Und tatsächlich, der Anblick war gigantisch.

     

Auch, wenn es jetzt auf dem Foto eher winzig aussieht, so ist es vor Ort nochmal etwas ganz anderes. Was ich am beeindruckendesten Fand, waren die Nebelschwaden, welche an den Felswänden abgeprallt und regelrecht an ihnen herunter geflossen sind. Das waren zum Teil richtige kleine Bäche und irgendwie war es doch Nebel. An diesem Wasserfall konnte man wieder auf dem Felsen bis ganz nach vorn laufen und das habe ich tatsächlich getan. Die Möglichkeit war einfach zu verlockend.

 

Hier hat man dann richtig gesehen, wie das Wasser brodelte, bevor es in die Tiefe stürzte. Da konnte ich mir schon ausmalen, dass man kaum eine Chance hat, wenn man im Wasser auf dieses Monster zutreibt. Und umso glücklicher war ich, dass ich hier an Land stehen konnte. Ich begnügte mich also mit einem großzügen Sicherheitsabstand von etwa 3 Metern zum Wasserfall, knipste meine Fotos und trottete dann wieder zum Auto.

Als nächstes waren wir auf dem Krater des Kröflstöö, einem Vulkan auf dem eine Art Krankwerk errichtet worden ist. Dieses dient wohl dazu, die vom Berg produzierte Wärmeenergie zu nutzen und sie an die Haushalte weiter zu leiten.  

     A

Auch das ist üblich für Island. Die Leute beziehen ihr warmes Wasser fast hauptsächlich aus heißen Quellen. Und dieses wurde hier vermutlich in diesen riesigen silbrig glänzenden Rohren fortgeleitet. Oben auf dem Berg war aber schrecklich dichter Nebel, so dass es mal wieder unmöglich war Fotos zu machen. Das absorde war aber, dass ich trotzdem wahnsinnig gefrohren habe, zum ersten Mal auf dieser Reise. Hier habe ich mir doch gewünscht, dass ich meine Handschuhe eingepackt hätte. Denn gefühlt war es hier oben unter Null Grad. 

Als wir vom Vulkan wieder herunter waren, war der Nebel plötzlich wieder verflogen. Da sieht man mal, was so ein bisschen wasserdampf ausmacht. Kalt war es aber weiterhin, so dass unsere nächste Station - heiße Schlamm- und  Dampfquellen - eine echte Zitterpartie war. Das lustige war, dass wir es schon von Auto aus blubbern hörten, ein tiefes, regelmäßiges "Blubb" bei dem wir uns zuerst doch fragten, was das ist. Dann sahen wir aber fast direkt an unserem Parkplatz, das große Loch, in dem eine schwarze zähe Flussigkeit vor sich hinblubberte. 

          

Das war schon ziemlich eklig, doch das schlimmste war wohl der Gestank, der von diesen Schlammquellen ausgegangen ist. Ich meine, es ist in Island ja normal, dass das Wasser meist nach faulen Eiern stinkt aber das hier stellte alles ind en Schatten. Es passiert wirklich sehr selten, dass mir von einem Geruch schlecht wird. Aber da hatt eich echt mit dem Würgereiz zu kämpfen. Zuerst bin ich noch mitten durch das Gebiet der Quellen geschlendert, denn es waren ja auch extra Wege vorhanden, die die begehbaren Bereiche markiert haben. Bei so Quellen bildet sich über dem Boden nämlich schnell eine leichte Schwefelkruste, die zwar fest aussieht aber doch leicht wegbrechen kann. Und darunter das Wasser ist bis zu 200 Grad heiß. Es empfielt sich also wirklich, sich in diesen Gebieten an die Wegmarkierungen zu halten.

Jedenfalls bin ich zuerst tapfer die Wege entlang geschlendert und wollte mir die einzelnen Quellen ankucken. Schließlich ist das für einen Deutschen ja schon was Besonderes und nicht alltägliches. Doch schon als ich durch die nächste Dampfwolke gelaufen bin, würgte es mich wieder, so dass ich doch relativ schnell zum Parkplatz zurück eilte. Zum Glück aus gab es auch von dort aus einen Weg entlang der Quellen und das gute war, dass der Wind den Gestank von dort weggetragen hat. So konnte ich dann doch noch relativ unbeschadet den Anblick von bunter Schwefelkruste auf dem Boden und heißem Dampf bewundern. Es ist schon komisch, so lebensfeindlich dieses Gebiet auch ist, es hat doch seine Faszination. 

Zuletzt waren wir an diesem Abend noch in einem Gebiet, dass sich Dimmuborgir nennt. Das ist eine Landschaft, welche aus unzähligen Bergen und Höhlen aus geschmolzener Lava besteht. Es gab an dieser Stelle wohl einen unterirdischen Lavasee, über dem der Boden eingebrochen ist. Und durch die hohen Temperaturen, die dort herrschten sind halt die lustigsten Gesteinsformationen entstanden. das komische war nur, dass dieser Anblick mich gar nicht mehr so beeindruckt hat. Lava hatte ich schon eine ganze Menge gesehen und dass dies nun mehr Lava auf einem Haufen war, hat die Sache nun doch nicht so besonders gemacht. 

  

 Dennoch war auch dieser Ausflug auf seine Art und Weise ein Erlebnis. Zum einen war es wirklich schon spät, als wir dieses Gebiet angesehen haben. Die Sonne war schon unter gegangen, doch wie man auf dem Foto sieht, war es trotzdem noch hell. Das Licht hatte schon eine ganz besondere Farbe zu dieser Uhrzeit. Zum anderen habe ich hier das erste Mal wildgewachsene Bäume gesehen, die höher als mannshoch waren. Bäume gibt es ja ohnehin nicht viele in Island und wenn es sie gibt, sind sie meist künstlich und auf relativ rechteckigen Feldern angepflanzt. Die andere Art von Bäumen, die es gibt sind kleine Weiden oder Birken, die sehen dann aber meistens eher so aus.

Das auf dem Bild ist eine Weide, die man häufig im Grad findet, und die auch selbst nicht viel höher wird. Da mag man kaum glauben, dass dies ein Baum ist. Nun versteht ihr auch sicher, warum diese Bäume für mich so eine Überraschung waren. Denn irgendwie war das hier endlich so etwas wie ein Stück Heimat für mich.

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Mittwoch 04.06.2008

In der letzten Nacht haben wir wieder in einem dieser Schlafsackhotels übernachtet, aus welchem Grund auch immer. Mir hätte eine Nacht auf dem Zeltplatz sicher nichts ausgemacht, doch habe ich mich über ein Bett unter meinem Hintern auch nicht beschwert. Als wir da auf dem Parkplatz ankamen, wurden wir gleich von einem freundlich aussehenden, vielleicht 16 jährigen Mädel begrüßt, dass uns erstmal die Zimmer zeigte, bevor wir entscheiden mussten, ob wir bleiben wollen oder nicht. Doch da es auch schon recht spät war, haben wir gar nicht über eine Alternative nachgedacht und der Preis von umgerechnet 20 Euro pro Nacht war auch wirklich akzeptabel. Zuerst dachte ich ja, das Mädel und seine vielleicht 20 Jahre alte Schwester würden den Laden alleine schmeißen, doch als wir gerade in der Küche der Familie standen und unser essen kochten, kamen auch noch der Vater und wahrscheinlich ein Bruder und ich war schon wieder etwas enttäuscht. Es hätte so wunderbar in mein Bild von Island gepasst, wenn 2 Mädels so etwas alleine machen. So aber waren meine Illusionen zerstört.

Am Vormittag haben wir uns den See Myvatn angesehen, der ja als echtes Vogelparadies gilt. Die Aussicht auf den See war wirklich nett, zumal regelmäßig Vulkangestein aus dem Wasser ragte. Doch ein Vogelparadies war es für mich nicht gerade, da ich nur hin und wieder ein paar Enten gesehen habe. Vielleicht fehlt mir auch der Blick dafür, aber ich konnte ehrlich gesagt kaum Vögel entdecken. Die anderen Beiden waren aber scheinbar begeistert, da es die optimale Gelegenheit für sie war, ihren Fotowettbewerb weiter auszutragen. Ich hingegen habe die Zeit genutzt um Daphnien zu sammeln, so hatte ich wenigstens das Gefühl unsere Reise auch für etwas nützliches zu verwenden.

Anschließend haben wir uns auf den Weg nach Akureyri gemacht, wo wir uns mit einem Doktor getroffen haben, der sich mit Flechten auskannte. Der Mann war jedoch die reinste Überraschung für mich. Ganz im Gegensatz zu unseren eingestaubten Fachkräften an der Uni war dieser Mensch ungelaublich lebensfroh und verbreitete so viel gute Stimmung, dass ich total irritiert war. Und tatsächlich konnte er uns mit den Flechten helfen. Eine Art die wir gesammelt hatten war falsch und zu der Art, die wir bisher noch nicht gesehen hatten, verriet er uns sogar, wo sie zu finden ist. Also wenn das kein Service ist? In dieser Nacht übernachten wir wieder in einem Gästehaus, die Idee auf dem Zeltplatz zu übernachten scheint nun völlig verworfen worden zu sein. Aber wie heißt es so schön? Nicht ärgern, nur wundern. Der Gästehaus ist aber tatsächlich wieder ein Erlebnis. Es heißt "Gelbes Haus" und ist im Grunde eine kleine Villa, die von einer etwas älteren Frau geführt wird. Das Haus selbst erinnert mich ununterbrochen an ein Puppenhaus, alles ist irgendwie klein und eng, besonders das Treppenhaus. Die Wände waren zudem mit großen Blumen bemalt und die Möbel waren einfach nur alt und knuffig. Irgendiw erinnerte mich das Ganze ein wenig an England, fragt mich aber nicht warum.

 

Donnerstag 05.06.2008

Heute war für mich ein Tag der Gegensätze, noch nie zuvar habe ich mein Leben so sehr gehasst und gleichzeitig geliebt. Der Doktor hatt euns ja am Vortag einen Tipp gegeben, wo wir eine bestimmte Flechte finden können und so haben wir uns nun heute aufgemacht diese Flechte zu suchen. Leider handelte es sich bei dem Zielort um den Gipfel eines 500 bis 600 Meter hohen Berges (auf dem Bild unten der rechte Gipfel) , den man natürlich von ganz unten aus zu Fuß besteigen musste. Denn es gab zwar in der Nähe einen Parkplatz bei einer Kirche, nur war dieser natürlich ganz unten, toll. Ein Blick nach oben auf den Gipfel verriet mir, dass ich diese Strecke unmöglich schaffen würde und auch wenn die anderen Beiden ebenso wenig Lust hatten wie ich, zeigten sie kein Erbarmen.

Da ich die einzige mit einem Rucksack war (man glaubt es kaum) packte ich Hammer, Meißel und sämtlichen Geländekram ein, und dann ging es auch schon los. Ich fühlte mich beinahe wie auf der Suche nach der mysteriösen blauen Blume, nur dass ich mit der Flechte keine schwerkranken retten konnte. Nein, sie war schlichtweg ein Mitbringsel für eine ehemalige Doktorandin von meinem Diplombetreuer... Aber gut, was tut man nciht alles zum Wohle der Wissenschaft?

Doch schon nach 100 Höhenmetern gekann ich zu keuchen und blickte sehnsüchtig ins Tal hinunter. Die anderen waren schon jetzt ein ganzes Stück vor mir, und immer wenn sie eine kurze Pause machten, konnte ich aufholen. Doch gerade wenn ich sie erreicht hatte, marschierten sie weiter. Und so blieb mir natürlich keine Zeit, um mich auszuruhen. Und so trottete ich den anderen beiden hinterher, wie ein Elefantenjunges seiner Mutter. Eigentlich konnte ich schon jetzt nicht mehr, doch ich wusste ja, ich musste weiter. Nach etwa 200 Höhenmetern entwickelt sich das ganze zu meinem persönlichem Kreuzweg. Inzwischen habe ich mir meine Fersen an den Wanderschuhen aufgerieben, so dass diese höllisch angefangen haben zu brennen. Da es leider kein Pflaster gibt, polstere ich diese mit Taschentüchern, doch dieses schiebt sich schon nach ein paar Metern zusammen, so dass es noch mehr reibt. Mit Erleichterung ist also auch hier nicht zu rechnen. Inzwischen haben wir den Hügel vor dem eigentlichen Berg hinter uns gelassen und klettern nur permanent auf den Gipfel zu. Leider gesteht der Untergrund leider vor allem aus mittelgroßen, losen Steinen, so dass man mehr rutscht als läuft. Da meine Fersen nun höllisch weh tuen, bin ich dazu übergegangen, seitlich zu laufen, wie ein Skifahrer. Und das verleiht mir leider nciht den besten Halt. Da die Steigung zudem ziemlich steil ist, beginne ich mich schon jetzt zu fragen, wie ich diesen Berg je wieder herunter kommen soll

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 Denn ganz ehrlich, in meinen Augen ist diese Steigung zusammen mit den vielen losen Steinen lebensgefährlich. Aber gut, die anderen beiden scheint das nicht zu kümmern.

Sie sind jetzt beide inzwischen ein ganzes Stück vor mir, doch es ist mir egal, dass ich langsam bin. Ich weiß, dass meine Couch-Potatoe-Kondition kein schnelleres Tempo zulässt, denn schon jetzt droht mein Herz mir aus der Brust zu hüpfen. Also schleppe ich mich weiter, doch die Gewissheit, dass ich es nicht schaffen werde, verfestigt sich. Mehr als einmal spiele ich mit dem Gedanken einfach nicht mehr weiter zu laufen, ich meine, was hätten die anderen da schon machen können? Zwingen konnten sie mcih ja nicht. Da ich aber sämtliche Ausrüstung in meinem Rucksack hatte, wäre es so auch für sie unmöglich gewesen, die Flechten zu sammeln. Und so spielt man weiter treudoofes Elefantenbaby und marschiert weiter.

Nach etwa 350 Höhenmetern wusste ich, dass ich keine weiteren 50 Meter schaffen würde. Nachdem ich zumindest den hinteren der beiden eingeholt hatte, schlug ich für mich eine Pause heraus und ließ mich schnaufend auf die Seine fallen. Ich hasste mein Leben so sehr, wie ich es noch nie zuvor getan hatte. Doch was viel wichtiger war, ich hasste die anderen beiden für ihre Rücksichtslosigkeit und ihren Starrsinn. Ärgerlich blinzelte ich eine Träne weg und stellte fest, dass alles um mich herum sich drehte. Anscheinend beschwerte sich mein Krieslauf ärgerlich über diese Anstrengung. Doch ich beschloss, dass ich trotzdem wieder aufstehen müsse. Denn wenn ich noch eine Weile so liegen bliebe, würde ich gar nicht mehr aufstehen. Doch gerade als ich mich wieder aufrappeln wollte, hörte ich eine Stimme, die uns sagte, dass wir beide unten bleiben sollten. Frank würde alleine auf den Gipfel gehen und die Flechten holen. ZUerst dachte ich, ich hätte geträumt, doch tatsächlich, er kletterte alleine weiter. Und wer war ich, dass ich dem widersprach? Es ist schon komisch, vor einem Moment hätte ichihm noch den Hals umdrehen können, und jetzt? Ich hätte ihm am liebsten die Füße geküsst (naja, nicht ganz). Und so legte ich mich wieder hin und begann in den Himmel zu starren. Meine Ferse hämmerte immer noch wie blöd, doch plötzlich war es mir egal. War das Leben nicht wundervoll? Und diese Aussicht erst...

Ich knipste davon bestimmt zehn Fotos, obwohl ich ja nun im Laufe der Reise genügend Berge gesehen hatte. Doch diese Aussicht hatte ich mir selbst verdient und so musste sie auch entsprechend gewürdigt werden.

Nach etwa einer dreiviertel Stunde kehrte Frank zurück und tatsächlich brachte er die gesuchten Flechten mit. Der Preis war jedoch, dass er sich beim Abstieg die Hose komplett zerfetzt hatte, da die Steigung am Gipfel so steil war, dass er sie nur auf dem HIntern herunter rutschen konnte. Ich konnte jedoch nicht wirklich Mitleid mit ihm haben, sondern war vielmehr heilfroh, dass ich nicht dasselbe Schicksal erlitten hatte. Und so konnte ich mir ein heimliches Grinsen nicht verkneifen.Der Abstieg gestaltete sich leichtert als erwartet. Zwar rutschte ich teilweise mehr als dass ich lief, doch ich fühlte mich seltsamerweise dabei nicht unsicher. Außerdem genoss ich die Aussicht viel zu sehr, um mir jetzt noch Sorgen zu machen. Ich hatte das Schlimmste überstanden und so konnte ich mir über die paar Steinchen keine großen Sorgen machen.

Wieder unter angekommen konnte ich es mir nicht verkneifen die Kirche zu inspizieren, neben der wir unser Auto geparkt hatten. Doch daneben entdeckte ich ganz seltsame Bauten, die fast aussahen wie Hobbitbauten.

Prompt war meine Neugierde geweckt und ich inspizierte das Gelände und was ich sah, gefiel mir. Ich hatte ja schon im Reiseführer von diesen traditionellen Lehmbauten gelesen, die früher in Island üblich waren. Und so entschloss ich mich das ganze auch noch von innen zu besichtigen. Die anderen beiden hatten keine Lust, doch da war ich auch nicht wirklich böse. Vielmehr war ich froh, auf dieser Reise etwas für mich ganz alleine zu haben. Es stellte sich heraus, dass der ganze Komplex den Namen "Laufas" trägt und früher als eine Art Bauernhof diente, auf dem zu Hochzeiten über 30 Leute lebten. Zuletzt wohnte doch noch bis 1936 der Pastor der Gemeinde mit seiner Familie, also etwa 10 Leute. Und da konnte ich mir schon nciht vorstellen, wie die alle Platz gefunden hatten. Ich genoss die Besichtigung jedenfalls sehr, da ich hier wirklich das gefühl hatte, ind ie Vergangenheit einzutauchen.

Und von meiner Erschöpfung von vor 2 Stunden war überhaupt nichts mehr zu spüren. Der größte Teil des Tages verbrachten wir dann mit Auto fahren. Kurz nachdem wir aufgebrochen waren, begann es auch noch zu regnen und da war ich erst recht froh nicht mehr auf dem Berg zu stehen. Gleichzeitig wurde ich jedoch mit einem herrlichen Ausblick belohnt, als die durch die Wolken brechende Sonne die Berghänge anstrahlte.

 

Da war ich erst recht froh, noch am Leben zu sein.

 

Freitag 06.06.2008